Motorisierung eines Hybrid

Ein Hybrid besticht durch seine Kombination aus Elektro- und Benzinmotor, doch wie groß sollte der Benzinanteil sein? Wie so häufig lautet die Antwort: Kommt darauf an. Der Porsche Cayenne S e-Hybrid kommt mit einem 3 Liter V6 Motor daher, doch reicht das?

Trägheit der Masse

Da wäre zum einen das Gewicht von etwas mehr als 2,4 Tonnen, das der Motor in Bewegung setzen muss. Wer sich an den alten 720’er BMW erinnert, weiß was beim Punkt Gewicht „untermotorisiert“ bedeutet. Und der BMW hatte nach meinem Wissen 1,9 Tonnen. Hier spielt auch die Unterstützung durch den e-Antrieb eine wichtige Rolle, die den Wagen dank der Kraftentfaltung im unteren Drehzahlbereich anschiebt. Eine allzu sportliche Fahrweise könnte einigen Einschränkungen unterliegen.

Ponys oder Pferde?

In einem holländischem Review auf Youtube haben die beiden Kommentatoren einen Cayenne gegen einen Tesla antreten lassen. Den Review an sich hatte ich in einem früheren Beitrag schon angesprochen und der porschefahrende Kollege sprach in Punkto Beschleunigung des Porsche von 416 Shetlandpony-Stärken. Auf meiner Probefahrt habe ich keinen Kickdown gemacht, daher kann ich derzeit keine Angaben dazu machen, werde das aber nach den ersten 1.000 Kilometern einmal nachholen und berichten.

Döner-Kraft

Das türkische Wort „Döner“ heißt drehen und kennzeichnet für mich den dritten Faktor: Drehmoment. Auch hier denke ich, dass die Unterstützung des Elektromotors den entscheidenden Unterschied in der Spritzigkeit des Wagens ausmacht. Der V6 entfaltet seine Kraft zwischen 5.500 und 6.500 Umdrehungen, der Elektroantrieb unterstützt schon ab 2.000 Umdrehungen den Vortrieb des Wagens.

Warum nicht einfach ein Diesel?

Mehr Hubraum, durchzugsstark von unten heraus – dank des hohen Drehmoments – günstig im Verbrauch und zusätzlich noch leichter. Wäre doch eine gute Alternative? Ja, der Diesel ist sparsamer im Verbrauch, kostet allerdings deutlich mehr Steuern. Ja, er hat mehr Hubraum und weniger Gewicht, doch er wäre ein Verharren auf dem jetzigen Stand der Technik. Er geht mir nicht den Schritt weiter. Ich weiß nicht, wie viel mehr Fahrspaß der Diesel bringen würde, ich weiß nicht, ob er deutlich und spürbar sportlicher bewegt werden kann. Doch wo und wie fahre ich mit meinem Wagen? Ich fahre zur Arbeit – gemächlich – und ich mache Wochenendtrips beziehungsweise fahre in Urlaube – entspanntes Cruisen. Wie viel Sportlichkeit brauche ich also? Es ist für mich gut zu wissen, dass der Wagen über 400 PS hat und im Zweifel auch mal spürbar beschleunigen kann, wenn es die Situation erfordert. Doch nur wenige Situation erfordern es und – Hand aufs Herz – reines schnell fahren könnte ich ja trotzdem.

Wenn allerdings – wie im neuen Q7 e-tron – ein Diesel- mit einem Elektromotor als Alternative auswählbar gewesen wäre, dann hätte ich diese Variante genommen. Der Diesel ist zwar nicht zukunftsweisend, doch nach wie vor günstiger im Verbrauch, hier wäre die Kombination in meinen Augen sinnvoll.

Reichweite – immer ein Thema

Für mich als KUTTANG-Fahrer ist Reichweite immer ein kritisches Thema, denn obwohl ich meine Strecken plane, kann es vorkommen, dass plötzlich doch eine Änderung erfolgt und ich spontan mehr Reichweite benötige. Genau für diesen Fall benötige ich zwei Dinge für meine Sicherheit: einen geringen Verbrauch und einen großen Tank! In dem Fall eines Hybrid habe ich ja auch immer noch den elektrischen Anteil, auf den ich mich bei einer Reichweite von max 36 Kilometern allerdings nicht verlassen wollen würde, um mein Ziel mit dem letzten Tropfen Sprit und Batterie zu erreichen. Hier ist der Elektroantrieb für mich eine gute Sicherheit, um den Verbrauch des Benziners zu reduzieren und somit die Gesamtreichweite weiter zu erhöhen.

Generell ist ein 80 Liter Tank schon gut bestückt, doch ist jede Zahl irrelevant, wenn der Verbrauch nicht stimmt. Hier kommt dann auch wieder der Motor ins Spiel, denn naturgemäß trinkt ein 4,8 Liter V8 mehr als ein 3 Liter V6 Motor. Dadurch wird das Gesamtkonstrukt nicht zum 3 Liter Lupo, aber ich habe Möglichkeiten, meinen Verbrauch auf deutlich unter 10 Liter zu drücken und das schafft mir bei 80 Liter Tankvolumen dann auch eine akzeptable Reichweite.

Alles in die Waagschale geworfen, ist der Motor des Cayenne in meinen Augen der Versuch eines bestmöglichen Trade-Offs aller Variablen (Verbrauch – Gewicht – Fahrspaß in Beschleunigung – Handling). Hier wird sicherlich keine Gruppe vollends ihre Wünsche erfüllt wissen, ausser denen, die einen Allrounder suchen – so wie ich 🙂

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