Probefahren mit einem Traumwagen

Bei einem Auto in oberen Preisklassen hat der Käufer entweder alles andere als Geldsorgen oder er ist sehr sicher, dass er dieses Auto haben möchte. Wie wird man einen Großteil der Zweifel los? Man arrangiert eine Probefahrt.

Einen Tag und maximal 200 Kilometer

Nach einigen Formularen zur gefühlten kompletten Haftungsübernahme selbst bei der Berührung durch eine Entenfeder, nannte mir der Verkäufer die Eckdaten meiner Probefahrt: Bitte nicht mehr als 200 Kilometer. Dann gingen wir raus zum Wagen und er erläuterte mir den Wagen, bevor ich vom Hof rollte. Es war meine erste Fahrt im Cayenne und meine erste Fahrt mit einem Hybrid bzw. einem elektrischen Antrieb.

Elektrisches Fahren

Durch die Zeit mit der Erläuterung – und dem Umstand, dass ich dieser Einweisung meine Aufmerksamkeit schenkte – konnte ich nicht so richtig den ersten Moment in diesem Wagen genießen. Ich hatte schon häufiger im Cayenne gesessen, doch dieser war der erste, den ich auch bewegen würde. So kam dieses Gefühl erst während der Fahrt richtig auf. Und es ist ein erhabenes Gefühl. Hohe Sitzposition, guter Überblick, majestätische Gelassenheit. Es fühlt sich anders an und ich kann nicht sagen, ob es daran liegt, dass man in einem teuren Auto, einem Porsche oder an etwas anderem liegt.

Die knappen 4 Kilometer zur Arbeit zurück gingen rein elektrisch und waren einfach Spaß pur. Wenn Du noch nicht elektrisch gefahren bist, nimm Dir mal die Zeit und Muße für eine Probefahrt in einem Hybrid oder Elektroauto. Das elektrische Fahren ist reinstes Grinsen. Kleiner Exkurs, um das Phänomen zu erläutern:


Als die ersten CD-Spieler auf den Markt kamen, kaufte sich mein Vater eines dieser Geräte. Ich erzählte bei den Nachbarn, dass wir ein solches Abspielgerät haben und auf die Frage, was das Besondere daran sei, sagte ich: „Wenn man auf Pause drückt und dann wieder auf Play, dann spielt der genau an der Stelle weiter“ … Wow! Zu heutiger Zeit nichts Besonderes, doch damals schon. Allerdings war etwas anderes in meinem Kopf an diesem Punkt viel wichtiger: Die Scheibe drehte sich unablässig weiter, obwohl man auf Pause gedrückt hatte. Woher wusste der Spieler, an welcher Stelle er wieder anfangen muss und das auch noch genau dann, wenn ich auf Play drücke!!


Was hat das mit dem elektrischen Fahren zu tun? Nun, ich habe an Erzählungen anderer Menschen und an meinen eigenen Erlebnissen eines festgestellt: Die häufigste Bemerkung nach dem ersten elektrischen Fahren ist die Stille. Man höre praktisch nichts, ausser den Reifengeräuschen. Nun mal im Ernst, in den moderneren Autos hört man bei 50 km/h im hohen Gang auch nichts mehr von dem Motor, sondern nur noch den Wind und die Reifen! Was ist also das wirklich Besondere an der Stille? Für mich ist es der Moment des Anfahrens und des lautlosen Rangierens. Für mich ist es die schnelle und ruckelfreie Reaktion auf die Berührung des Gespedals. Es ist direkte Reaktion auf eine Aktion.

Auf dem Rückweg von der Arbeit nach Hause konnte ich fast ausschließlich elektrisch fahren. Lediglich auf der Autobahn mit 130 km/h wurde der Verbrenner zugeschaltet. Leider war auf dem letzten Anteil Landstrasse der Strecke ein Stau, was mir den Test ein wenig vermieste. Ich wollte schauen, wie sich der Elektromotor durch die Hügel fährt. Und doch war ein Dauergrinsen in meinem Gesicht, weil der Spaß, elektrisch  zu fahren, einfach nicht weichen wollte. Ungefähr zwei Kilometer vor unserer Wohnung waren die Batterien leer und der Hybrid-Modus wurde automatisch aktiviert. Hier nutzt der Wagen den elektrischen Antrieb nur noch für das Anfahren und der Verbrenner kommt ab und zu unterstützend hinzu. Zu Hause angekommen standen 4,4 Liter auf 100 Kilometern zu Buche und ich entschied mich, den Wagen kurzzeitig etwas aufzuladen, während ich in der Wohnung auf meine Frau warten wollte.

Wie lange ich ausgehalten habe und wie die Fahrt weiterging folgt im nächsten Teil der Probefahrt-Serie.

 

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