Image eines Porschefahrers

Eine Frage, die mich irgendwann nach der Bestellung sekundär gestreift hat: Darf ich als selbständiger Berater mit einem Porsche vorfahren? Wirkt das dekadent oder gar untragbar?

Geschichten eines Beraters

Irgendwann ist mir einmal eine Geschichte zugetragen worden, ob sie stimmt, weiß ich nicht. Die Geschichte geht so: Es war einmal in einem Beraterhaus. Ein Berater hat als Firmenwagen einen Porsche bestellt und fährt damit zum Kunden. Der Kunde sieht in mit dem Wagen vorfahren und schmeißt den Berater raus mit den Worten: „wenn Sie sich nur an mir bereichern wollen, brauch ich Sie nicht!“ In meinen Augen ist das ein sehr drastisches Verhalten und nach meiner Einschätzung nur höchst selten anzutreffen. Vielleicht in einem mittelständischen Unternehmen, in dem der Unternehmensgründer den Vorsitz hat, er ein rationales oder kleineres Auto fährt und ein Ego-Problem hat. Dann glaube ich, kann so etwas passieren. Doch wird man vielleicht trotzdem zumindest schief angesehen oder konstant mit entsprechenden Kommentaren von Kollegen im Kundenunternehmen gesegnet?

Bild in der Bankenmetropole

Wie sieht die reale Welt um mich herum aus. Eine Zeit lang habe ich in einem Projekt in einer Bank gearbeitet. In der Nähe des Gebäudes war ein kostenpflichtiger Parkplatz, auf dem sehr viele Berater mit Ihren Autos parkten. Natürlich waren unter diesen Autos sehr viele Firmenwagen der gängigen Beratungshäuser – dankenswerterweise an den Kennzeichen gut zu erkennen. Zudem ist mir auch klar, dass in der Bankenmetropole Frankfurt mehr teure Autos herumfahren – dank an die vielen Investmentbänker – als in vielen anderen Städten. All das beiseite geschoben, waren auch viele Freelancer unter den Parkern und unter den knapp 100 Autos auf dem Parkplatz waren immerhin einige Porsche 911’er und Cayenne dabei. Der dekadenten Fairness halber sei erwähnt, dass auch andere „Luxusautos“ dort standen (größere Mercedes SUVs sowie Q7 und ähnliches. Insofern wurde mein Gedanke in drei Teile geteilt:

  1. es scheint – zumindest in Frankfurt – nicht schlimm zu sein, als Selbständiger einen Porsche zu fahren
  2. ein Cayenne wirkt weniger dekadent als ein 911’er auf dem Kundenparkplatz
  3. der Kundenparkplatz ist häufig nicht in Sichtweite und somit fällt es teilweise gar nicht auf, mit welchem Auto man anreist

Dann ist mir auch eingefallen, dass es Porsche Consulting und einige angeschlossene Porsche Beratungshäuser gibt, die als Firmenwagen einen Porsche nehmen müssen. Hier hörte ich eine andere Geschichte, in der der Kunde so begeistert von der Beraterleistung war, dass er froh war, die Porsche auf dem Parkplatz zu sehen. Denn das hieß, dass diese gute Leistung gerade erbracht wurde.

Einstellungssache

Letztlich komme ich für mich zu dem Schluss, dass es eine Einstellungssache ist und wie jeder mit so einer Sache umgeht. Derjenige, der pompös sein Auto zur Schau stellt beim Kunden und nichts Entsprechendes leistet, wird nicht erfolgreich sein und den Argwohn ernten. Derjenige, der solide seine Leistung bringt und mit einem Porsche gesehen wird, wird auch weiterhin seine solide Leistung bringen und vom Kunden dafür geschätzt werden – egal welches Auto er oder sie fährt. Das ist der Gedanke, der sich in meinem Kopf festsetzt.

Insofern mag es dekadent sein, es mag luxuriös sein, doch der entscheidende Faktor ist, wie man selbst damit umgeht.

Eine untypische Betrachtung der Marke

Dies ist ein untypischer Blog und daher kommt hier eine untypische Betrachtung der Marke Porsche an sich aus meinen Augen.

Weg von der Technik

Die Marke Porsche hat mich schon lange fasziniert. Ich hatte nie ein tiefergehendes technisches Interesse, sondern die Ästhetik, der Sound und die Sportlichkeit waren herausstechend für mich. Allerdings bin ich bei der Produktpalette – wie sehr wahrscheinlich für viele andere auch – teilweise sehr gespalten. Ich mochte und mag nach wie vor das Design des 911’er und wie es sich über die Jahre verändert hat. Es ist einfach schön anzuschauen und macht etwas her. Die typischen runden Lampen vorne, die beiden hochgezogenen Kotflügel, die bullig wirkenden Türen und das kurze Heck. Ein Traum.

Auf der anderen Seite bin ich kein Freund vom Targa-Bügel, ebenso wenig wie von den Giganto-Heckspoilern der GT3 oder GTR Modelle. Diese künstlich wirkenden Objekte haben mein Bild des Wagens gestört und ihn in die Richtung Rennwagen gezerrt, was der Wagen zwar sicherlich auch kann, doch für mich nicht war. Er war und ist für mich ein Sportwagen für die Straße.

Doch die goldene Palme des schlechten Designs geht aus meiner Sicht an die 944’er Reihe. Langgezogene Schnauze, die mich irgendwie an die amerikanischen Muscle Cars wie Corvette erinnern. Eckige Lampen, die elektrisch aufgestellt wurden – wie 1970 ist das denn? Und als Abschluss eine Heckpartie, die nach einer langen Scheibe einfach – plumps – aufhört.

Neues Terrain – Cayenne

Dann kam der Cayenne als erster SUV in die Modellpalette und er kam, soweit ich mich erinnern kann, in einem Atemzug mit dem Tuareg von VW auf den Markt. Der Tuareg hatte die coolere Werbung – das Ehepaar, die mit ihren Tuaregs durch den Matsch fahren und sich dann treffen, um die Kinder abzuholen oder irgendwas – doch ich dachte schon damals: „Ja, nett! Aber ich nehm lieber den Porsche!“ Ich traue VW – und damals waren die beiden Marken noch nicht ein Konzern – viel zu im Bereich Nutzfahrzeuge, Golfs und Passats. Aber bei Kraft … purer Kraft hat Porsche die Nase vorn. Und obwohl beide quasi Neulinge im Offroad-Bereich waren, hätte ich immer auf Porsche gesetzt. Das Design der ersten Serie war sehr rau in meinen Augen und sah von vorne ein wenig wie ein aufgebockter 911’er aus. Dazu ein sehr hohes Heck, was gefühlt einer Schrankwand glich. Und es schien nichts zu geben, was dieses Fahrzeug aufhalten könnte. Nicht umsonst ist dieser Wagen der meistverkaufte Porsche.

Nun sind einige Überarbeitungen über den Wagen gekommen und das Design hat sich in meinen Augen extrem zum Vorteil des Fahrzeugs entwickelt. Die Front sieht immer noch aus wie ein 911’er, aber die Heckpartie hat etwas eigenes gewonnen und passt deutlich besser als das hohe Heck früherer Versionen. Auch von der Seite sieht die Silhouette deutlich sportlicher und nicht mehr so kastenförmig aus (vor allem die Heckpartie). Mir gefällt vor allem die optische Täuschung des Fahrzeugs, auf die ich in einem früheren Beitrag eingegangen bin.

Von Limousinen und Mini SUVs

Hinzugekommen ist auch der Panamera, zu dem ich am Anfang wirklich keine Meinung finden konnte. Zwischenzeitlich habe ich mir eine Meinung gebildet und obgleich der Wagen an sich gut aussieht und auch seine Vorzüge als Limousine hat, gefallen mir Cayenne und 911’er besser. Der Panamera ist mir persönlich zu lang und mittlerweile zu tief – wenn man sich einmal an einen SUV gewöhnt hat … Spannende finde ich, dass ich persönlich in dem Wagen sitzend nicht weiß, ob ich in einem Sportwagen oder in einer Limousine sitze. Mittlerweile sieht man den Panamera auch recht häufig – zumindest im Frankfurter Raum – und ich habe mich ein wenig an ihn gewöhnt. Ich muss aber auch sagen, dass mir die Kontur der Motorhaube beispielsweise nicht gefällt.

Bleibt noch der Macan, den ich ebenfalls in einem früheren Beitrag beleuchtet habe und den ich als Mini SUV als Alternative zum Cayenne ansehe, wenn man die entsprechenden Anforderungen an ein Auto hat.

Alles in allem für mich meine Lieblings-Sportwagenmarke, auch wenn mittlerweile drei andere Wagentypen (SUV, Limousine, Mini SUV) hinzugekommen sind. Ich bin gespannt, wie sich das Design weiter verändern und entwickeln wird.