Probefahrt – Verbrauchszahlen in der Realität

Im ersten Beitrag zur Probefahrt habe ich die ersten elektrischen Fahrerfahrungen geschildert. Doch nicht nur das Ansprechverhalten ist anders als in einem traditionellen Auto.

Ungeduld

Ich hatte zwar in der Wohnung auf meine Frau warten wollen, doch es hielt mich nicht lange. Notgedrungen wollte ich dem Wagen zumindest eine Stunde Akkuladezeit gönnen, denn ich kam auf die Idee, die Strecke zum Sport zu testen. Mehrheitlich bergab über eine schöne, teils verschlungene Landstrasse. Nach gefühlten 3 Stunden – und tatsächlichen 57 Minuten – griff ich die Schlüssel und spurtete zum Auto. Ladezustand: Schwach – was will man erwarten an der guten alten Schuko-Steckdose in der Garage? Egal. Auf gehts! Bedingt durch die abfallende Strecke aber bei schwachem Akku, war der Motor erstaunlich häufig komplett aus. Bedingt durch die Geschwindigkeitsbegrenzungen konnte ich die 13 Kilometer bergab und dann wieder zurück bergauf mit durchschnittlich 70-80 km/h fahren. Das Ergebnis: 5,8 Liter pro 100 Kilometer! Ich war begeistert, allerdings auch ein wenig enttäuscht über die schwache Stromleitung in unserer Garage – hier bestand dringender Handlungsbedarf bevor der eigene Wagen ankommt.

Kurze Verschnaufpause

Wieder zu Hause angekommen, gönnte ich dem Wagen noch einmal knapp 90 Minuten Ladezeit, bevor meine Frau nach Hause kam. Zusammen fuhren wir dann eine weitere Runde. Zunächst die gleiche Strecke, die ich zuvor gefahren war, weil sie so schön ist. Also wieder knapp 15 Kilometer leicht bergab mit 70-80 km/h über die Landstrasse von vorher und wieder mehrheitlich elektrischem Antrieb. Dann allerdings nicht direkt zurück, sondern auf die Autobahn für knappe 10 Kilometer mit 100% Verbrennungsmotor bei ca. 140 km/h sowie der e-Charge Taste gedrückt. Ich wollte die Batterie zumindest ein wenig aufladen und den Effekt des Ladens auf den Verbrauch testen. In der Folge erschienen 9 Liter Verbrauch auf der Anzeige, wobei ich nach dem Drücken der e-Charge Taste zunächst beim Raufzählen zuschauen konnte. Dann über eine Bundesstrasse die letzten 8 Kilometer bergan bei knappen 120 km/h, wobei der Verbrauch noch einmal leicht zunahm – 9,7 Liter. Zu Hause angekommen, habe ich den Wagen abgestellt und an die Steckdose angeschlossen. Am nächsten Tag sollte der Test auf dem Weg zur Arbeit fortgesetzt werden.

Der nächste Tag offenbarte zu Beginn gleich die nächste Schwäche der heimischen Garagensteckdose: Die Sicherung der Steckdose war in der Nacht rausgeflogen und der Wagen hatte nur knapp 40% aufgeladen. Ich war sauer über die heimische Infrastruktur! 7 Kilometer e-Reichweite stand im Tacho und ich war positiv angetan, als ich damit insgesamt 9 Kilometer weit kam. Der Rest ging dann im normalen Hybridmodus.

Dann kam der schwere Moment, in dem ich den Wagen zurückgeben musste. Es war nicht ganz so schwer, da die Ausstattung deutlich von meiner gewählten Konfiguration abwich. Ein Stopp bei der Tankstelle brachte ein in meinen Augen gutes Ergebnis zutage: Fast genau 100 Kilometer gefahren und 7,5 Liter getankt.

Soweit zum Verbrauch bei meiner Fahrweise während der Probefahrt. Im nächsten Teil gehe ich auf die Ausstattung und das Fahrgefühl ein.

 

Probefahren mit einem Traumwagen

Bei einem Auto in oberen Preisklassen hat der Käufer entweder alles andere als Geldsorgen oder er ist sehr sicher, dass er dieses Auto haben möchte. Wie wird man einen Großteil der Zweifel los? Man arrangiert eine Probefahrt.

Einen Tag und maximal 200 Kilometer

Nach einigen Formularen zur gefühlten kompletten Haftungsübernahme selbst bei der Berührung durch eine Entenfeder, nannte mir der Verkäufer die Eckdaten meiner Probefahrt: Bitte nicht mehr als 200 Kilometer. Dann gingen wir raus zum Wagen und er erläuterte mir den Wagen, bevor ich vom Hof rollte. Es war meine erste Fahrt im Cayenne und meine erste Fahrt mit einem Hybrid bzw. einem elektrischen Antrieb.

Elektrisches Fahren

Durch die Zeit mit der Erläuterung – und dem Umstand, dass ich dieser Einweisung meine Aufmerksamkeit schenkte – konnte ich nicht so richtig den ersten Moment in diesem Wagen genießen. Ich hatte schon häufiger im Cayenne gesessen, doch dieser war der erste, den ich auch bewegen würde. So kam dieses Gefühl erst während der Fahrt richtig auf. Und es ist ein erhabenes Gefühl. Hohe Sitzposition, guter Überblick, majestätische Gelassenheit. Es fühlt sich anders an und ich kann nicht sagen, ob es daran liegt, dass man in einem teuren Auto, einem Porsche oder an etwas anderem liegt.

Die knappen 4 Kilometer zur Arbeit zurück gingen rein elektrisch und waren einfach Spaß pur. Wenn Du noch nicht elektrisch gefahren bist, nimm Dir mal die Zeit und Muße für eine Probefahrt in einem Hybrid oder Elektroauto. Das elektrische Fahren ist reinstes Grinsen. Kleiner Exkurs, um das Phänomen zu erläutern:


Als die ersten CD-Spieler auf den Markt kamen, kaufte sich mein Vater eines dieser Geräte. Ich erzählte bei den Nachbarn, dass wir ein solches Abspielgerät haben und auf die Frage, was das Besondere daran sei, sagte ich: „Wenn man auf Pause drückt und dann wieder auf Play, dann spielt der genau an der Stelle weiter“ … Wow! Zu heutiger Zeit nichts Besonderes, doch damals schon. Allerdings war etwas anderes in meinem Kopf an diesem Punkt viel wichtiger: Die Scheibe drehte sich unablässig weiter, obwohl man auf Pause gedrückt hatte. Woher wusste der Spieler, an welcher Stelle er wieder anfangen muss und das auch noch genau dann, wenn ich auf Play drücke!!


Was hat das mit dem elektrischen Fahren zu tun? Nun, ich habe an Erzählungen anderer Menschen und an meinen eigenen Erlebnissen eines festgestellt: Die häufigste Bemerkung nach dem ersten elektrischen Fahren ist die Stille. Man höre praktisch nichts, ausser den Reifengeräuschen. Nun mal im Ernst, in den moderneren Autos hört man bei 50 km/h im hohen Gang auch nichts mehr von dem Motor, sondern nur noch den Wind und die Reifen! Was ist also das wirklich Besondere an der Stille? Für mich ist es der Moment des Anfahrens und des lautlosen Rangierens. Für mich ist es die schnelle und ruckelfreie Reaktion auf die Berührung des Gespedals. Es ist direkte Reaktion auf eine Aktion.

Auf dem Rückweg von der Arbeit nach Hause konnte ich fast ausschließlich elektrisch fahren. Lediglich auf der Autobahn mit 130 km/h wurde der Verbrenner zugeschaltet. Leider war auf dem letzten Anteil Landstrasse der Strecke ein Stau, was mir den Test ein wenig vermieste. Ich wollte schauen, wie sich der Elektromotor durch die Hügel fährt. Und doch war ein Dauergrinsen in meinem Gesicht, weil der Spaß, elektrisch  zu fahren, einfach nicht weichen wollte. Ungefähr zwei Kilometer vor unserer Wohnung waren die Batterien leer und der Hybrid-Modus wurde automatisch aktiviert. Hier nutzt der Wagen den elektrischen Antrieb nur noch für das Anfahren und der Verbrenner kommt ab und zu unterstützend hinzu. Zu Hause angekommen standen 4,4 Liter auf 100 Kilometern zu Buche und ich entschied mich, den Wagen kurzzeitig etwas aufzuladen, während ich in der Wohnung auf meine Frau warten wollte.

Wie lange ich ausgehalten habe und wie die Fahrt weiterging folgt im nächsten Teil der Probefahrt-Serie.