Fehlen von Anreizen für Hybride

Unsere liebe Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die heimischen Straßen zu bringen. Ist dieses Ziel überhaupt und unter den momentanen Bedingungen erreichbar?

Lasst Zahlen sprechen

Zahlen lügen nicht, naja zumindest nicht von sich aus. Wenn ich mir anschaue, wie bei den Arbeitslosenzahlen über die Jahre immer mehr Personenkreise herausgerechnet werden, fühle ich mich regelmäßig an Churchills Ausspruch erinnert: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast! Doch die Zulassungszahlen sind sehr wahrscheinlich eine recht unverfälschte Darstellung … noch!

Blickt man auf die Statistik des Kraftfahrtbundesamts ist das Ergebnis ernüchternd.
3,036.773 angemeldete Neufahrzeuge in 2014
davon 8.522 elektrische und 27.435 Hybrid-Wagen.
Um die Dimension noch deutlicher zu machen:
8.522 Elektrofahrzeuge sind 0,2 Prozent
27.435 Hybridfahrzeuge sind immerhin 0,9 Prozent von der Gesamtmenge der in 2014 zugelassenen Fahrzeuge

Die Gesamtzahlen aller in Deutschland zugelassenen Autos zeigen auch kein besseres Bild:
18.948 Elektrofahrzeuge
107.754 Hybrid-Fahrzeuge
126.702 Fahrzeuge oder anders ausgedrückt 12,67 % der angestrebten Millionen. Es ist also noch ein weiter Weg zu gehen in den verbleibenden viereinhalb Jahren.

Anreize? Magere Ausbeute

Was sind denn dann Anreize zum Kauf? Wir können die Anreize in eine monetäre und eine nicht-monetäre Fraktion unterteilen. Die monetären Faktoren sind Steuerbegünstigungen oder -befreiungen sowie Prämien, wie die aus den vergangenen Jahren bekannte Abwrackprämie. Zudem gibt es seit ein oder zwei Jahren eine Anpassung bei Dienst- und Geschäftswagen. Hier wird der Listenpreis – der ja für die 1%-Versteuerung maßgeblich ist – um die fiktiven Kosten der Batterie reduziert, um den Kostenvorteil der konventionellen Autos zu egalisieren. Nach einigen Gerüchten denkt die Bundesregierung auch über weitere Faktoren wie staatliche Zuschüsse oder Kredite beim Erwerb sowie weitere Abschreibungsoptionen nach. Letzteres auch wieder für die geschäftlichen Käufer. Warum diese Tendenz zu den Geschäftswagen? Vielleicht weil von den in 2014 angemeldeten Fahrzeugen nur knapp 36% private Anmeldungen waren. Hier scheint sich die Regierung mehr Schwung von den Geschäftswagen zu versprechen, die zudem eine schnellere Wiederkaufquote haben als private Haushalte oder kaufst Du Dir auch alle drei Jahre ein neues Auto?

Was sind dann nicht-monetäre Anreize? Naja, hier hat der ein oder andere vielleicht schonmal auf Parkplätzen mit Ladesäulen gesehen, dass häufig während der Ladezeit keine Parkgebühr anfällt. Wie wäre es also ganz vorne mit Sonderparkflächen für Elektro- oder Hybrid-Fahrzeugen? Mir ist schon klar, dass diese Maßnahmen bereits jetzt teilweise durch neidische Verbrennungs-Fahrer zunichte gemacht wird, weil sie sich einfach trotzdem auf diese Parkplätze stellen. Also nur ein Argument, wenn es auch entsprechend – durch Politessen – begleitet würde. Ebenfalls in die Kategorie „zweifelhaftes Argument“ fällt das Aufheben von Zufahrtsverboten für Elektroautos, denn wer wie ich selten oder nie durch solche Gebiete fahren muss, hat hier einen Vorteil, den er oder sie nicht nutzt bzw. nutzen kann. Als nette Idee mit erheblichen Schwächen in der Umsetzung ist auch die Freigabe von Bus- oder Sonderfahrspuren für mich. Woran erkenne ich denn, dass es sich um ein Elektro- oder Hybridfahrzeug handelt? Es steht ja nicht prominent drauf und wer hält dann diese Freigabe entsprechend nach? Hier ist in meinen Augen das Risiko zu groß, dass auch einige andere diese Spuren einfach nutzen. Hier gäbe es nur einen Ausweg und der gefällt mir noch weniger: eine Kennzeichnung der Hybrid- oder Elektrofahrzeuge! Das ist dann ungefähr so sexy wie das „Anfänger“-Schild am Auto zu haben …

Wir werden gegebenenfalls eher eine Richtung sehen, die mir persönlich nicht sonderlich gefällt und die wir derzeit schon in einigen Großstädten wie London sehen. Gesperrte Innenstädte, in denen nur Fahrzeuge mit Sonderfreigabe fahren dürfen. Hier wären dann Elektro- und Hybridfahrzeuge die Aspiranten auf die Sonderfreigabe. Alternativ wäre auch denkbar, für Fuhrparks von Unternehmen eine CO2- Grenze zu setzen, um den Verkauf anzukurbeln. Mir gefallen solche Lösungsansätze nicht, weil sie ein so genanntes Malus-System sind und die Menschen nötigen, eine bestimmte Verhaltensweise an den Tag zu legen. Würde bei mir als Gegenbeispielsortierer* definitiv zum Gegenteil führen.

Was bleibt? Ich weiß es nicht, was sich der Gesetzgeber noch einfallen lässt und ich habe auch kein Patentrezept. Vielleicht könnte man sich doch einfach über Kaufanreize das Leben erleichtern. Ich glaube, dass letztlich das monetäre Argument das stärkste sein wird, wenn wir nicht von „Überzeugungstäter“ sprechen.

* Gegenbeispielsortierer ist ein Begriff, der in der neurolinguistischen Programmierung (kurz NLP) verwendet wird und bedeutet, dass ein Mensch eher das Gegenteil von dem machen wird, was man ihm sagt. Wenn Du Kinder hast, kannst du das ausprobieren: Wie wahrscheinlich ist es, dass Dein Kind sein Zimmer aufräumt, wenn Du sagst: „Räum bitte Dein Zimmer auf“ oder ist es wahrscheinlicher, wenn Du sagst: „Das schaffst Du eh nicht, Dein Zimmer aufzuräumen.“