Neues Denken – strategische Fahrstreckenplanung

Ich hatte vor zwei Tagen schon eine der beiden für mich faszinierenden neuen Herausforderungen beim Hybrid beleuchtet – der Suche nach Stromtankstellen. Heute möchte ich mich dem Thema Fahrstreckenplanung widmen.

Ein fast verlorengegangene Kunst

Wenn ich ein paar Jahre zurückdenke, in eine Zeit vor den Navigationssystemen, dann denke ich an dicke Autobahnatlanten im Kofferraum, mit Karten in verschiedenen Maßstäben für die gleichen Strecken. Damals hat man sich auf den größeren Maßstäben die Gesamtstrecke angeschaut und dann auf den kleineren Karten die Details für den „Endanflug“. Man(n) fuhr noch mit Falk-Stadtplänen, die durch ihr geniales Faltsystem dem Fahrer erlaubten, den derzeit relevanten Kartenausschnitt zu sehen und wenn man am Rand der Karte angelangt war, musste man entweder anhalten und neu falten oder hat das während der Fahrt gemacht – ging ja auch, wir hatten noch keine Handys am Ohr.

Der Punkt daran war, dass ich mir bei längeren Strecken vor der Fahrt Gedanken über die Strecke gemacht habe und manchmal sogar noch Ausweichpläne, wenn an bestimmten neuralgischen Punkten Stau sein sollte. Diese Gedanken vor der Fahrt sind nach meinem Gefühl mit dem Navigationssystem verschwunden. Wir setzen uns heutzutage ins Auto und geben entweder kurz vor Fahrtantritt oder – dank Sprachsteuerung – während der ersten Fahrkilometer das Ziel ein. Das System wird uns schon leiten! Und es zieht ja sogar Staumeldungen ins Kalkül – das mussten wir damals noch live zur vollen und halben Stunde anhören und überlegen, ob die Meldung jetzt auf der eigenen Strecke ist, die Gegenspur oder ganz woanders.

Energieoptimiert – mein Arbeitsweg

Jetzt mit einem Hybrid – und ich bin mir bewusst, dass es mit einem reinen Elektrofahrzeug noch um ein vielfaches wichtiger ist – kommt ein Teil dieser Nostalgie zurück. Nein, wir müssen keine dicken Wälzer mehr im Kofferraum transportieren und wir suchen auch nicht die Strecken heraus. Aber die Frage, ob sich am Zielort eine Stromtankstelle befindet, wie viele Baustellen – für die elektrischen Fahrten mit bis zu 125 km/h – auf dem Weg sind und wie das Terrain beschaffen ist, werden plötzlich für mich sehr interessant.

Mein Weg zur Arbeit beispielsweise geht prinzipiell 25 Kilometer bergab, doch ist auf den ersten 9 Kilometern der ein oder andere kleinere Hügel auf dem Weg, so dass ich mich nicht nur rollen lassen kann, sondern teilweise bergauf fahren muss – ein bis drei Kilometer. Auf dieser Überlandstrecke – den ersten 9,5 Kilometern – kann ich aufgrund der Verkehrslage nur Geschwindigkeiten zwischen 60 und 100 km/h fahren. Dann folgt ein Stück Autobahn – ca. 10 km – auf der ich auch nur zwischen 100 und 140 km/h fahren kann. Abschließend kommt dann ein Stück Stadtverkehr mit den regelkonformen 50-60 km/h. Ich habe an meinem Arbeitsort keine Stromtankstelle in der Nähe – nicht einmal mehr eine kostenpflichtige, die ich nicht nehmen würde. Insofern versuche ich die Strecke bzw. die Fahrt so zu optimieren, dass mein Spritverbrauch auf dem Hinweg möglichst gering ist, ohne dabei im Kriechtempo zu fahren, und ich so viel wie möglich e-Energie für einen spritsparenden Rückweg habe. Es wird sich zeigen, ob das Abschalten des „E-Power Mode“ – also die Nutzung eines hybriden Antriebs mit mehr Anteilen des Verbrennungsmotors – auf dem Hinweg sinnvoller ist oder auch dadurch zuviel Energie bereits verwendet wird. Zu Hilfe könnte mir das „Segeln“ kommen, bei dem beispielsweise beim Bergabrollend der Motor vom Antriebsstrang entkoppelt und – entgegen der anderen Modelle – ausgeschaltet wird. Diese Beispiel soll auch nur aufzeigen, dass jetzt andere Punkte in mein Kalkül einbezogen werden, als mit einem reinen Verbrennermotor. Und ich liebe solche Herausforderungen und „Forschungsprojekte“. Ich werde berichten.

Geschichte wiederholt sich

Ich bin mir sicher, dass so wie damals durch ein technisches Gadget – das Navigationssystem – die Reiseplanung mittels Autoatlas obsolet wurde, auch die Routenplanung für Hybrid und voll elektrische Fahrzeuge mit e-Tankstellen und Terrain-Ausnutzung in Kürze automatisiert passieren. In diesem Fall bin ich mir sicher, dass sich die Geschichte wiederholt und gleichzeitig gespannt, was dann unsere nächste Herausforderung sein wird.