Erlebnis Werksabholung – Werksführung

Im zweiten Teil der Werksabholung möchte ich Dir die Führung durch das Werk schildern und Dir die in meinen Augen spannendsten Fakten aufzeigen. Den letzten Programmpunkt des Tages – das 3-Gänge-Menü – habe ich hier ebenfalls mit aufgenommen. Doch erstmal die Führung.

Charlie und die Schokoladenfabrik

Entgegen der Schilderungen im Porsche Forum war es bei uns kein Pensionär, sondern ein jüngerer Porsche Mitarbeiter, der uns durch das Werk führen sollte. Den Inhalt hat diese Personalien nicht verändert. Zunächst wurden obligatorisch die Mobiltelefone eingesammelt, da im Werk natürlich ein striktes Fotografierverbot herrscht … wir sind halt nicht die NSA, die haben sehr wahrscheinlich gutes Bildmaterial.

Bedingt durch die Zeit der Führung – Start 10:30 Uhr – mussten wir die Tour rückwärts durchlaufen, da nach und nach Bereich für die Öffentlichkeit gesperrt wurden. So begannen wir also bei der Endmontage der Türen und dem Feinschliff und arbeiteten uns rückwärts durch die Fabrik zu der Hochzeitsstation, dem Einsetzen der Armaturentafeln, dem Einsetzen der Scheiben bis zu den Rohkarossen. Alles in einem klinisch sauberen Werk, in dem die Taktzeit bei 3 Minuten 44 Sekunden liegt.

Spannende Details ab Werk

  • Die einzige Station, die von Robotern bearbeitet wird, ist das Einsetzen der Scheiben. Hier arbeiten zwei Roboter zusammen, von denen der erste die Checkpunkte am Rahmen des Fahrzeugs vermisst und der zweite die Scheibe aufnimmt, reinigt und anschließend den Kleber auftragen lässt und die Scheibe einsetzt. Dieser Schritt kann nur von Robotern in der Zeit von 3:44 Minuten mit dieser hohen Präzision erledigt werden. Wer schon einmal eine Front- oder Heckscheibe hat wechseln lassen, kann dies bestätigen.
  • Der Rest der gesamten Produktion ist Handarbeit!
  • Die Mitarbeiter bei Porsche können in den kleinen Pausen ihre Station auch in begrenztem Maße wechseln, um so auch der Monotonie zu entgehen. So bleibt die Zufriedenheit und die Motivation in der Belegschaft auf einem hohen Niveau. Die Prozesse sind an Tafeln mit Bildern belegt, so dass bei Fragen jeder Mitarbeiter nochmal für die speziellen Handgriffe nachsehen könnte – in der Taktzeit.
  • Am Band ist der ganze Modellmix von Porsche wild durchmischt hintereinander: ein 911’er gefolgt von einem Cayman als Rechtslenker, gefolgt von einem Turbo und so weiter. Alle werden am gleichen Band, direkt hintereinander verarbeitet.
  • Es werden im Werk nur die Porsche produziert, die bereits verkauft wurden. Porsche produziert nicht auf Halde.
  • Die Taktzeit bedeutet schlussendlich, dass ein Porsche in Zuffenhausen in etwas über 8 Stunden fertiggestellt ist.
  • In Zuffenhausen steht das einzige Motorenwerk von Porsche, hier werden alle Motoren produziert, die in den Porsches verbaut werden. Im Motorenwerk ist die Taktzeit abweichend vom Restwerk 5 Minuten irgendwas. Auf zwei Bahnen werden jeweils Boxer und V-Motoren zusammengeschraubt, kalt getestet und abgenommen.
  • In der Sattlerei gibt es keine Taktzeit, hier kommt es auf die hohe Präzision an und ein Blick auf die Arbeit bestätigt dies eindrucksvoll. Alle lederumfassten Teile werde in liebevoller Handarbeit bearbeitet.

Gourmet Mittagessen

Von der Werksführung ging es zum 3-Gänge-Menü in das Gäste Restaurant des Werks. In edlem Ambiente in der höchsten Etage kann man hier den Ausblick auf den Porsche Platz genießen und schlemmen. Jeder Gang war sehr gut und wirklich lecker. Da das Menü sich häufig ändert, verzichte auf eine detaillierte Wiedergabe der einzelnen Gänge. Zum Essen gab es alle möglichen Getränkearten und die Fahrer erkennt man üblicherweise daran, dass sie die Frage nach einem Wein verneinen. Es ist eine Mischung aus Enttäuschung – den bestimmt guten Wein nicht probieren zu können, weil man noch fahren muss – und Vorfreude – alle möchten bei allen Sinnen sein, wenn sie ihr Auto in Empfang nehmen.

Hier schloss sich dann für mich auch der Kreis über die Programmpunkte. Wie viele schon angenommen habe, so bin auch ich der Überzeugung, dass die Punkte unterschiedlich geplant sind für die unterschiedlichen Ankunftszeiten der Abholer und begrenzt noch Wechsel zulassen. So sassen wir beim Essen mit Menschen, die ihr Auto noch übernehmen würden, während wir schon alles erledigt hatten.

Museum? Vertagt!

Den letzten Programmpunkt haben wir aber dann doch verschoben: Das Museum. Ich möchte es auf jeden Fall einmal ansehen, doch an diesem Tag waren die Eindrücke schon so zahlreich, dass ich mehr nicht hätte aufnehmen können. Denn jetzt sollte ja die Heimfahrt im eigenen Auto folgen! Dies hatte mein Verstand nach wie vor noch nicht verarbeitet.

Die Heimfahrt mit allen Eindrücken und den Verbräuchen schildere ich im nächsten Bericht!

Werksabholung – die Qual der Wahl

Wer einen Porsche kauft, hat prinzipiell drei Wahlmöglichkeiten, sein neues Auto in Empfang zu nehmen. Da wäre die Abholung beim Händler des Vertrauens mit einer knapp einstündigen Einweisung – wenn erwünscht – oder alternativ die Abholung in einem der beiden Werke Zuffenhausen oder Leipzig.

Drei sind mindestens einer zuviel

Grundsätzlich kostet die Abholung im Werk zusätzlich Geld. Irrsinnigerweise ist die Abholung beim Händler nicht günstiger – es fällt nach meinem Kenntnisstand eine Gebühr in gleicher Höhe wie bei der Werksabholung in Zuffenhausen an. Der Händler fiel also für mich recht früh aus dem Rennen, denn warum sollte ich bei ihm abholen, wenn ich für den gleichen Preis ein Rahmenprogramm bekommen kann. Zudem ist dieses Rahmenprogramm auch noch ein Schmankerl für einen Autofan und in meinen Augen ein Muss beim Kauf des ersten eigenen Porsches. Kostentechnisch ist die Abholung in Leipzig um knapp 200 EUR teurer als die in Zuffenhausen, denn es gibt einen Unterschied zwischen den beiden. Doch fangen wir bei den Gemeinsamkeiten an.

Generell sieht das Programm folgende Punkte vor

  • Werksführung
  • Museumsführung
  • Mittagessen
  • Fahrzeugübergabe

Ein Blick hinter die Kulissen

Die Produktion öffnet ihre Pforten und gewährt dem Abholer einen Blick in das Herz und die Arbeitsweise bei Porsche. Entweder in Leipzig, wo Cayenne, Panamera und Macan gebaut werden oder in Zuffenhausen, wo die 911’er Serie sowie Boxster und Cayman das Licht der Welt erblicken. In beiden Werken werden die Fahrzeuge nach den neuesten technischen Prinzipien der modernen Modulfertigung gebaut. Hier kann der stolze Besitzer sehen, wie sein neuer Wagen erstellt wurde. Von der Zusammenführung der Karosserie und des Cockpits, über das Einsetzen des Innenhimmels und der Scheiben, über die Verbindung von Motor und Getriebe bis zur anschließenden Hochzeit: das Zusammenführen von Antriebsstrang und Fahrwerk mit der Karosserie. Die Führung übernimmt nach unterschiedlichen Schilderungen im Porsche Forum (PFF) ein passionierter und pensionierter Porsche Mitarbeiter. Hier scheint das Programm auch leicht unterschiedlich zu sein, je nach Fragen und Interessen der Abholer.

Aus der Geschichte lernen

In beiden Standorten gibt es ein Porsche Museum, welches der Abholer besuchen kann. Die Exponate, die nach Angaben von Porsche wechseln, beinhalten eine Mischung aus historischen und aktuellen Porsche Fahrzeugen und zeigt die Entwicklung der Marke und ihrer Produkte über 6 Jahrzehnte voller Sportwagengeschichte.

Stärkung vor der Übergabe

Zufälligerweise gibt es an beiden Standorten Betriebsrestaurants und so bietet Porsche ein exquisites 3-Gänge-Menü bei Abholung an. Das sollte als Stärkung vor dem letzten Teil des Programms genügen.

Ein Moment der Andacht

Letzter Programmpunkt und von jedem mit Sicherheit heiß ersehnt ist die Übergabe des eigenen Fahrzeugs. Hierbei begleitet den Abholer ein Instrukteur, der sich auch die Zeit nimmt, alle Details zu erklären. In einem Video hat einer der Instrukteure gesagt, dass er die Besitzer und ihre neuen Autos dann erstmal ein paar Minuten alleine läßt, er nennt es den Moment der Andacht. Ich glaube, es ist genau dieser Moment, den ich genießen werde. Dann ist die Zeit, dass ich mir die Sachen erklären lasse, die ich in meiner Vorbereitung noch nicht kennengelernt habe und dann öffnet sich das Tor und es heißt Abschied nehmen vom Porsche Standort im eigenen Auto … zumindest bis zur nächsten Abholung.

Werk mit hauseigener Rennstrecke

Leipzig besticht durch einen auf der grünen Wiese geplanten Neubau, veredelt mit einer hauseigenen FIA-zertifizierten Rennstrecke sowie einer Offroad-Strecke. Hier werden Panamera, Macan und Cayenne gefertigt und getestet. Lustigerweise ist die Rennstrecke 3,7 Kilometer lang und beinhaltet Passagen von 10 internationalen Formel 1 Strecken, wohingegen die Offroad-Strecke 6 Kilometer misst und über 18 Module verfügt.

Die Besonderheit an Leipzig ist eine dynamische Fahreinweisung mit einem baugleichen Porsche und einem Instrukteur über die Renn- bzw. Geländestrecke. Auf der Porsche-Seite steht, dass man wählen muss zwischen einem von beiden. Nach Berichten eines Porsche Händlers ist hier aber wohl auch beides möglich. Dieses Schmankerl scheint dann auch den Aufpreis von knapp 200 Euro auszumachen.

Qual der Wahl

Die bessere Wahl scheint auf jeden Fall Leipzig mit der dynamischen Einweisung zu sein, doch ein kleines Detail versaut das Gesamtbild. Eine Abholung in Leipzig ist derzeit so gefragt, dass sich ein Termin erst 4 – 8 Wochen später als in Zuffenhausen finden lässt. Es gibt Menschen, die sagen: „Jetzt hab ich schon so lange gewartet, da kann ich die 4 oder 6 Wochen auch noch aushalten. Ich aber nicht! Mal im Ernst: Ich bin ungeduldig und habe doch schon 12 Wochen auf die Fertigstellung gewartet, ich bin viel zu hibbelig, um weitere Wochen auszuhalten. Daher will ich lieber in Zuffenhausen abholen und 4 Wochen länger mein Auto fahren.