Werksabholung – die Qual der Wahl

Wer einen Porsche kauft, hat prinzipiell drei Wahlmöglichkeiten, sein neues Auto in Empfang zu nehmen. Da wäre die Abholung beim Händler des Vertrauens mit einer knapp einstündigen Einweisung – wenn erwünscht – oder alternativ die Abholung in einem der beiden Werke Zuffenhausen oder Leipzig.

Drei sind mindestens einer zuviel

Grundsätzlich kostet die Abholung im Werk zusätzlich Geld. Irrsinnigerweise ist die Abholung beim Händler nicht günstiger – es fällt nach meinem Kenntnisstand eine Gebühr in gleicher Höhe wie bei der Werksabholung in Zuffenhausen an. Der Händler fiel also für mich recht früh aus dem Rennen, denn warum sollte ich bei ihm abholen, wenn ich für den gleichen Preis ein Rahmenprogramm bekommen kann. Zudem ist dieses Rahmenprogramm auch noch ein Schmankerl für einen Autofan und in meinen Augen ein Muss beim Kauf des ersten eigenen Porsches. Kostentechnisch ist die Abholung in Leipzig um knapp 200 EUR teurer als die in Zuffenhausen, denn es gibt einen Unterschied zwischen den beiden. Doch fangen wir bei den Gemeinsamkeiten an.

Generell sieht das Programm folgende Punkte vor

  • Werksführung
  • Museumsführung
  • Mittagessen
  • Fahrzeugübergabe

Ein Blick hinter die Kulissen

Die Produktion öffnet ihre Pforten und gewährt dem Abholer einen Blick in das Herz und die Arbeitsweise bei Porsche. Entweder in Leipzig, wo Cayenne, Panamera und Macan gebaut werden oder in Zuffenhausen, wo die 911’er Serie sowie Boxster und Cayman das Licht der Welt erblicken. In beiden Werken werden die Fahrzeuge nach den neuesten technischen Prinzipien der modernen Modulfertigung gebaut. Hier kann der stolze Besitzer sehen, wie sein neuer Wagen erstellt wurde. Von der Zusammenführung der Karosserie und des Cockpits, über das Einsetzen des Innenhimmels und der Scheiben, über die Verbindung von Motor und Getriebe bis zur anschließenden Hochzeit: das Zusammenführen von Antriebsstrang und Fahrwerk mit der Karosserie. Die Führung übernimmt nach unterschiedlichen Schilderungen im Porsche Forum (PFF) ein passionierter und pensionierter Porsche Mitarbeiter. Hier scheint das Programm auch leicht unterschiedlich zu sein, je nach Fragen und Interessen der Abholer.

Aus der Geschichte lernen

In beiden Standorten gibt es ein Porsche Museum, welches der Abholer besuchen kann. Die Exponate, die nach Angaben von Porsche wechseln, beinhalten eine Mischung aus historischen und aktuellen Porsche Fahrzeugen und zeigt die Entwicklung der Marke und ihrer Produkte über 6 Jahrzehnte voller Sportwagengeschichte.

Stärkung vor der Übergabe

Zufälligerweise gibt es an beiden Standorten Betriebsrestaurants und so bietet Porsche ein exquisites 3-Gänge-Menü bei Abholung an. Das sollte als Stärkung vor dem letzten Teil des Programms genügen.

Ein Moment der Andacht

Letzter Programmpunkt und von jedem mit Sicherheit heiß ersehnt ist die Übergabe des eigenen Fahrzeugs. Hierbei begleitet den Abholer ein Instrukteur, der sich auch die Zeit nimmt, alle Details zu erklären. In einem Video hat einer der Instrukteure gesagt, dass er die Besitzer und ihre neuen Autos dann erstmal ein paar Minuten alleine läßt, er nennt es den Moment der Andacht. Ich glaube, es ist genau dieser Moment, den ich genießen werde. Dann ist die Zeit, dass ich mir die Sachen erklären lasse, die ich in meiner Vorbereitung noch nicht kennengelernt habe und dann öffnet sich das Tor und es heißt Abschied nehmen vom Porsche Standort im eigenen Auto … zumindest bis zur nächsten Abholung.

Werk mit hauseigener Rennstrecke

Leipzig besticht durch einen auf der grünen Wiese geplanten Neubau, veredelt mit einer hauseigenen FIA-zertifizierten Rennstrecke sowie einer Offroad-Strecke. Hier werden Panamera, Macan und Cayenne gefertigt und getestet. Lustigerweise ist die Rennstrecke 3,7 Kilometer lang und beinhaltet Passagen von 10 internationalen Formel 1 Strecken, wohingegen die Offroad-Strecke 6 Kilometer misst und über 18 Module verfügt.

Die Besonderheit an Leipzig ist eine dynamische Fahreinweisung mit einem baugleichen Porsche und einem Instrukteur über die Renn- bzw. Geländestrecke. Auf der Porsche-Seite steht, dass man wählen muss zwischen einem von beiden. Nach Berichten eines Porsche Händlers ist hier aber wohl auch beides möglich. Dieses Schmankerl scheint dann auch den Aufpreis von knapp 200 Euro auszumachen.

Qual der Wahl

Die bessere Wahl scheint auf jeden Fall Leipzig mit der dynamischen Einweisung zu sein, doch ein kleines Detail versaut das Gesamtbild. Eine Abholung in Leipzig ist derzeit so gefragt, dass sich ein Termin erst 4 – 8 Wochen später als in Zuffenhausen finden lässt. Es gibt Menschen, die sagen: „Jetzt hab ich schon so lange gewartet, da kann ich die 4 oder 6 Wochen auch noch aushalten. Ich aber nicht! Mal im Ernst: Ich bin ungeduldig und habe doch schon 12 Wochen auf die Fertigstellung gewartet, ich bin viel zu hibbelig, um weitere Wochen auszuhalten. Daher will ich lieber in Zuffenhausen abholen und 4 Wochen länger mein Auto fahren.

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